61km
Länge der Meerenge von der Ägäis bis zum Marmarameer.
Chiffriertelegramm · Festungsbereich Çanakkale · 5 Mart 1331 (Rumi)
000 / 100
Wie möchten Sie die Geschichte betreten?
Der Überlieferung nach entstanden Mondsichel und Stern der türkischen Flagge aus dem Spiegelbild von Mond und Stern in einer Lache aus dem Blut der Gefallenen.
Halbinsel Gallipoli40°09′N · 26°24′O19. Februar 1915 – 9. Januar 1916
Die mächtigste Flotte der Welt wollte eine Meerenge durchbrechen, die an ihrer engsten Stelle nur 1.200 Meter breit ist. Es gelang ihr nicht. Dann gingen die Armeen an Land, und der Krieg tobte monatelang auf jedem Höhenrücken der Halbinsel.
Scrollen Sie in die MeerengeProlog · Herbst 1914
Europa stand in Flammen. Der kürzeste Seeweg, um Russland zu versorgen, war versperrt. Die Entente beschloss, ein einziges Tor aufzubrechen: die Dardanellen. Fiele die Meerenge, würde Istanbul fallen, das Osmanische Reich aus dem Krieg ausscheiden und der Krieg eine Wende nehmen.
61km
Länge der Meerenge von der Ägäis bis zum Marmarameer.
1.200m
Die engste Stelle, zwischen Çanakkale und Kilitbahir, wo sich die Forts gegenüberstanden.
3November 1914
Die ersten Schüsse. Britische und französische Schiffe beschossen die Forts von Seddülbahir und Kumkale.
Verteidiger
5. Armee · Liman von Sanders Pascha
Angreifer
Mittelmeer-Expeditionskorps · Gen. Sir Ian Hamilton
Kapitel I · Nacht vom 7. auf den 8. März 1915
Die Nusret, ein kleiner Minenleger unter Kapitänleutnant Tophaneli Hakkı Bey, verließ Çanakkale im Schutz der Dunkelheit. Ohne Lichter durchquerte sie das von feindlichen Scheinwerfern abgesuchte Wasser und glitt in die Bucht von Erenköy.
Sie legte ihre Minen in einer einzigen Reihe parallel zur Küste. Die alliierten Schlachtschiffe wendeten seit Tagen in diesen Gewässern und hielten die Bucht für sicher. Zehn Tage lang blieb die Sperre unentdeckt.
Nusret · Kiel, 1912
Schematische Karte, nicht maßstabsgetreu.
Kapitel II · 18. März 1915 · Rumi 5 Mart 1331
Am Morgen lief eine Flotte aus 18 Schlachtschiffen, 14 britischen und 4 französischen, in die Meerenge ein. Das Ziel: die Forts zum Schweigen bringen und ins Marmarameer durchbrechen. Am Abend waren sechs Schlachtschiffe gesunken oder schwer beschädigt.
10.30
Unterstützt von Kreuzern und Zerstörern laufen die Schlachtschiffe in die Meerenge ein. An der Spitze fährt die Linie aus Queen Elizabeth, Agamemnon, Lord Nelson und Inflexible.
11.30
Die erste Linie beschießt die Forts von Çanakkale und Kilitbahir aus großer Entfernung. Die türkische Artillerie antwortet aus den Forts, mit Feldhaubitzen und mit Batterien, die ständig ihre Stellung wechseln.
12.15
Die Schlachtschiffe Suffren, Bouvet, Gaulois und Charlemagne unter Admiral Guépratte nähern sich den Forts. Gaulois und Suffren erhalten schwere Treffer.
13.58
Beim Rückzug läuft sie in der Bucht von Erenköy auf eine der Minen der Nusret. Binnen zwei Minuten kentert sie und sinkt. Mehr als 600 Seeleute gehen mit ihr unter.
14.30
Ocean, Irresistible, Vengeance, Swiftsure, Majestic und Albion werden vorgeschickt. Die Forts verstummen nicht; die Minensucher drehen unter schwerem Feuer ab.
16.11
Der Schlachtkreuzer Inflexible läuft auf eine Mine. Schwer beschädigt schleppt er sich nach Bozcaada (Tenedos).
16.15
Auch die Irresistible läuft in derselben Sperre auf eine Mine und treibt hilflos mit der Strömung ab. Die Besatzung wird abgeborgen; am Abend sinkt das Schiff.
18.05
Die Ocean, die der Irresistible zu Hilfe kommen sollte, läuft auf eine Mine. Auch sie sinkt in der Dunkelheit der Nacht.
Abend
Admiral de Robeck zieht die Flotte zurück. Nie wieder versucht die Marine, die Meerenge zu erzwingen. Zur See war Çanakkale nicht zu bezwingen.
In der Türkei wird der 18. März heute als Tag des Sieges von Çanakkale und des Gedenkens an die Gefallenen begangen.
Zwischenspiel · Fort Rumeli Mecidiye
Während des Bombardements brach der Granataufzug des Geschützes im Fort. Der Gefreite Seyit Ali aus Havran nahm die Granaten auf den Rücken und trug sie selbst zum Geschütz. Eine dieser rund 215 Kilo schweren Granaten soll ein britisches Schlachtschiff getroffen haben.
Als er nach dem Krieg fotografiert wurde, bat man ihn, dieselbe Granate noch einmal zu heben. Er schaffte es nicht. Er soll gesagt haben: „Wenn wieder Krieg ist, hebe ich sie wieder.“
Das Gewicht der Granate (in manchen Quellen 276 kg), das getroffene Schiff und der genaue Wortlaut weichen je nach Quelle voneinander ab.
Granate geladen.
Kapitel III · 25. April 1915, Morgengrauen
Wer auf See gescheitert war, versuchte es an Land. Am Morgen des 25. April, noch vor Sonnenaufgang, begannen Zehntausende Soldaten an den Küsten der Halbinsel zu landen.
04.30
Australisches und Neuseeländisches Armeekorps
Im Dunkeln wurden die Boote von der Strömung abgetrieben und landeten etwa 1,5 km nördlich der geplanten Stelle, am Fuß steiler Hänge. Ihnen standen nur wenige türkische Abteilungen gegenüber. Diese hielten die Höhen, bis Mustafa Kemals 57. Regiment eintraf.
Conkbayırı (Chunuk Bair) · 25. April 1915, gegen Mittag
Mustafa KemalWarum lauft ihr davon?
SoldatenHerr Kommandeur, der Feind!
Mustafa KemalVor dem Feind läuft man nicht davon!
SoldatenWir haben keine Munition mehr!
Mustafa KemalWenn ihr keine Munition habt, habt ihr eure Bajonette!
Ich befehle euch nicht anzugreifen,
ich befehle euch zu sterben.
In der Zeit, die vergeht, bis wir gefallen sind, können andere Truppen und Kommandeure unseren Platz einnehmen.
Beim Aufstieg zum Conkbayırı traf Mustafa Kemal auf eine Gruppe zurückweichender Soldaten ohne Munition. Er ließ sie die Bajonette aufpflanzen und sich hinlegen. Auch der vorrückende Feind ging zu Boden. Diese wenigen Minuten genügten, bis das 57. Regiment eintraf.
Das Regiment wurde an diesem und den folgenden Tagen fast vollständig aufgerieben. Sein Kommandeur, Oberstleutnant Hüseyin Avni Bey, fiel im August auf denselben Höhen.
Kapitel IV · Mai – November 1915
Am Quinn’s Post (Bomba Sırtı) lagen die türkischen und die ANZAC-Gräben stellenweise nur acht Meter auseinander. Einen Handgranatenwurf weit. Nah genug, um ein Flüstern zu hören.
In Çanakkale steht ein Basar voller Spiegel,Mutter, ich ziehe gegen den Feind.Ach, meine Jugend, weh.
Kapitel V · 6.–10. August 1915
Die Entente unternahm ihren letzten großen Versuch, die Halbinsel zu durchtrennen: ein Ablenkungsangriff bei Lone Pine (Kanlısırt), ein Nachtmarsch auf den Chunuk Bair (Conkbayırı) und eine neue Landung bei Suvla.
Taschenuhr · 10. August 1915
Während des Angriffs traf ein Schrapnellsplitter die Uhr in seiner Brusttasche. Die Uhr zersprang, Mustafa Kemal kam mit einer leichten Verletzung davon. Später schenkte er die Uhr Liman von Sanders als Andenken.
Illustration
„Soldaten! Ohne Zweifel werden wir den Feind vor uns besiegen. Aber übereilt nichts, lasst mich zuerst vorstürmen. Wenn ihr seht, dass ich mit meiner Reitpeitsche das Zeichen gebe, stürmt ihr alle zugleich los.“
Kapitel VI · Dezember 1915 – Januar 1916
Der Winter brach herein, die Hoffnung schwand. London beschloss, die Halbinsel zu räumen.
In der Nacht vom 19. auf den 20. Dezember wurden Arıburnu und Anafarta geräumt, in der Nacht vom 8. auf den 9. Januar Seddülbahir (Kap Helles). Mehr als hunderttausend Soldaten wurden Nacht für Nacht lautlos eingeschifft.
Damit die Gräben besetzt wirkten, nutzte man das „Tropfgewehr“ des australischen Soldaten William Scurry. Wasser tropfte aus einer oberen Dose in eine untere; war diese schwer genug, betätigte sie den Abzug. Noch eine Weile, nachdem die Männer fort waren, feuerten die Gewehre weiter.
Am Morgen des 9. Januar 1916 stand kein einziger Soldat der Entente mehr auf der Halbinsel. Çanakkale war nicht bezwungen worden.
Bilanz
Die Halbinsel war klein, der Preis gewaltig. Die Zahlen schwanken je nach Quelle; hier zeigen wir die am weitesten anerkannten Spannen.
1 Punkt = 1.000 MenschenSpanne bis zur oberen Schätzung der QuellenVerluste: Tote, Verwundete, Kranke und Gefangene
| Seite | Alle Verluste | Tote |
|---|---|---|
| Osmanen | ≈ 251.000 | ≈ 57.000 – 87.000 |
| Entente | ≈ 250.000 – 300.000 | ≈ 56.700 |
Namen
Manche Namen stehen in den Geschichtsbüchern, die meisten nur auf einem Grabstein. Ziehen Sie die Karten.

Oberstleutnant · 19. Division
Am 25. April stoppte er die Landung am Chunuk Bair, am 10. August eroberte er an der Spitze der Gruppe Anafarta die Höhe zurück. Acht Jahre später gründete er die Republik Türkei.
Arıburnu · Anafarta

Gefreiter · Rumeli Mecidiye
Ein Kanonier aus Havran. Am 18. März trug er die Granaten auf dem Rücken zu einem Geschütz, dessen Aufzug gebrochen war. Er starb 1939 in seiner Heimatstadt Havran.
Meerenge · 18. März

Kapitänleutnant · Nusret
Der Kommandant, der die Nusret im Dunkeln in die Bucht von Erenköy führte und die Sperre aus 26 Minen legte. Einer der stillen Architekten des 18. März.
Bucht von Erenköy · 8. März

Kommandant · Festungsbereich
Kommandant der Forts und Batterien, die am 18. März die Meerenge verteidigten. Von seinem Hauptquartier aus wurde der Seesieg gelenkt.
Çanakkale · 18. März
Major · III. Bataillon, 26. Regiment
Am 25. April hielt er mit einer kleinen Truppe die Küste von Seddülbahir bis zum Abend. Seine Erinnerungen gehören zu den wichtigsten Zeugnissen dieses Tages.
Seddülbahir · 25. April
Feldwebel · 26. Regiment
Bei Seddülbahir hielt er mit einer Handvoll Männer die gelandeten Truppen stundenlang am Strand fest, bevor er fiel. Sein Name lebt heute in einem Soldatenfriedhof an diesem Ort weiter.
Seddülbahir · 25. April
Oberstleutnant · 57. Regiment
Am 25. April eilte er mit seinem Regiment zum Chunuk Bair. Im August 1915 fiel er auf denselben Höhen.
Chunuk Bair · 25. April
Soldat · die namenlosen Zehntausende
Zehntausende Soldaten aus allen Teilen Anatoliens und des Reiches. Bei den meisten ist nicht einmal das Grab bekannt.
Auf jedem Höhenzug · jeden Tag
Mehmet Âkif Ersoy · An die Gefallenen von Çanakkale · Übersetzung
Was ist dieser Kampf um die Meerenge? Hat die Welt je seinesgleichen gesehen?
Vier, fünf der gewaltigsten Heere stürmen heran,
Um über die Höhen einen Weg ins Marmarameer zu bahnen,
Gegen ein winziges Stück Land, umringt von wie vielen Flotten.
O Soldat, für diese Erde zur Erde gefallen!
Stiegen die Ahnen vom Himmel und küssten deine reine Stirn, du wärst es wert.
Wer könnte dir ein Grab schaufeln, das dir nicht zu eng wäre?
Sagte ich: „Komm, wir begraben dich in der Geschichte!“, du fändest darin keinen Platz.
Epilog · Arıburnu, 1934
Ihr Helden, die ihr auf dem Boden dieses Landes euer Blut vergossen habt! Hier ruht ihr in der Erde eines befreundeten Landes. Schlaft in Ruhe und Frieden. Ihr liegt Seite an Seite, Arm in Arm mit den Mehmetçiks.
Ihr Mütter, die ihr eure Söhne aus fernen Ländern in den Krieg geschickt habt! Trocknet eure Tränen. Eure Söhne ruhen an unserer Brust. Sie sind in Frieden und werden in Frieden schlafen. Da sie auf diesem Boden ihr Leben gelassen haben, sind sie nun auch unsere Söhne geworden.
Mustafa Kemal Atatürk zugeschriebener Text, 1934 · Heute steht er auf dem Denkmal an der Anzac Cove.
Die Seite wird dunkel, der Ton verklingt, 60 Sekunden werden gezählt.
60
Im Gedenken an alle, die bei Çanakkale ihr Leben verloren.